ZU FUSS INFO 3
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eine Performance mit Ausstellung – oder umgekehrt
Die Ausstellung unter dem Motto "Zu Fuß im Stadtraum" beschäftigte sich mit der fußläufigen Fortbewegung. Eine interessante Mischung aus Gehen – Orte des Gehens – Klang und sinnliche Wahrnehmung während des Gehens im Stadtraum bot die Künstlerin Katrinem in den letzten Wochen in Linz.
Walk-space.at konnte bei einer sehr interessanten Diskussion im April 2015 auf die Bedeutung von FußgängerInnen-Checks (auch in Linz) und die Fachkonferenz für FußgängerInnen in Bregenz verweisen.
ein Beitrag im Rahmen des Walk-space.at Newsletters 3 - 2015 (für Mitglieder)
Es gibt bisher wenig (Grundlagen-)Literatur zum Thema. Umso erfreulicher ist es, dass diese neu erschienene Publikation eine von vielen Lücken schließt. Auf rund 90 Seiten werden kompakt wichtige Informationen in grafisch ansprechender Weise zu den Themen Kriterien für gute Fußwege, Netzplanung, Elemente des Fußwegenetzes, Sicherung des Fußwegenetzes, Hinweise zu Projektierung, Unterhalt und Orientierung wiedergegeben. Damit wird ein grober Überblick über das Thema skizziert und eine verständliche Einführung gegeben. Doch auch für lang erfahrene PraktikerInnen stellt das Handbuch ein gutes Nachschlagewerk mit Richtwerten, Kriterien, Methoden und grundsätzlichen Planungsüberlegungen zum Fußverkehr dar.
Die Publikation zur Querschnittsmaterie Fußverkehrsplanung richtet sich an unterschiedliche Akteurinnen und Akteure im Bereich der Planung, an Behörden, Verwaltung, Politik, ArchitektInnen und viele mehr. Das Handbuch zur Fußwegenetzplanung ist im Juni veröffentlicht worden und kann auf der Homepage von Fussverkehr Schweiz heruntergeladen werden.
Handbuch „Fusswegnetzplanung“ (Fussverkehr Schweiz / ASTRA)
Allgemeines:
Das erste Kapitel widmet sich einer allgemeinen Einführung und erklärt, an wen sich das Handbuch richtet, welchen Zweck es verfolgt. Dabei werden die Bedeutung des Fußverkehrs und dessen Charakteristika (Benutzergruppen, Verkehrszweck) dargelegt. Auch ein Einblick in die rechtlichen Grundlagen und Normen sowie Instrumente (Konzepte) in der Schweiz wird hier kurz auf einer Seite gegeben.
Kriterien für gute Fußwege:
Wie schafft man attraktive Wegverbindungen und welche Gestaltungsanforderungen müssen für den Fußverkehr erfüllt werden. Damit beschäftigt sich das zweite Kapitel und nennt Richtwerte und Empfehlungen zu Wegebreiten, Belag, Wegeführungen, Umfeldgestaltung und Längsgefälle. Weiters wird auf Verkehrssicherheitsaspekte und Sicherheit für FußgängerInnen allgemein (objektive und subjektive Sicherheit) eingegangen, denn gerade Sicherheit ist das bedeutendste Entscheidungskriterium bei der Verkehrsmittelwahl. Außerdem sollte das Fußwegenetz zusammenhängend und dicht sein (im Handbuch wird von einer max. Maschenweite des Wegenetzes von 100m gesprochen). Wege sollten möglichst direkt Ziele miteinander verbinden, ohne dabei große Umwege in Kauf nehmen bzw. Barrieren überwinden zu müssen. Deswegen ist die barrierefreie Errichtung von Wegen unerlässlich, schließlich dienen diese nicht nur Menschen mit Behinderung im engeren Sinn, sondern auch älteren Menschen, Personen mit Kindern, mit Gepäck oder mit temporären Einschränkungen. Darüber hinaus bedarf es einer leicht verständlichen Orientierung, sei diese gestalterisch-baulich umgesetzt wie auch in Form von Hinweisschildern.
Netzplanung:
In diesem Kapitel werden Instrumente in der Schweizer Planung und deren rechtliche Einbettung beschrieben, aus welchen planerischen Dokumenten die Fußwegenetzplanung (Analyseplan, Netzplan, Maßnahmenliste) besteht, wobei hier deutlich wird, wie detailliert das Schweizer Recht auf den Bereich der Fußverkehrsplanung eingeht (Fuß- und Wanderweggesetz). Eine Betrachtung des Fußverkehrs als Teil des Gesamtverkehrs ist nach den Autoren planerisch wichtig, um so (Nutzungs-)Konflikte zu verhindern. Dies verlangt eine entsprechende Kommunikation unter den handelnden AkteurInnen auf den unterschiedlichen Ebenen, um so Maßnahmenlisten zu erstellen, die Schwachstellen beseitigen und auch Lücken im Netz geschlossen werden können.
Elemente des Fußwegnetzes:

Die Gestaltung des öffentlichen Raumes (linear, flächig) ist zentral, um attraktive Wege zu schaffen. Deswegen zeigt dieses Kapitel wie Fußgängerbereiche gestaltet sein können, um ihre Funktionen Aufenthalt-Queren-Teilen ansprechend erfüllen zu können. Die Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln ist dabei ein wesentlicher Punkt, um das Zufußgehen schmackhaft zu machen.
Sicherung des Fußwegnetzes:
Bei diesem Teil des Handbuches geht es um Planungs- und Sicherungsinstrumente, planerische Festlegungen, Partizipation bei der Erstellung und die regelmäßige Überarbeitung und Aktualisierung der Pläne für die Fußwegnetzplanungen.
Hinweise zu Projektierung, Unterhalt und Orientierung:
Empfehlungen zu Projektierung, Unterhalt und Orientierung werden in diesem Kapitel gegeben, wobei in Neubau- und Sanierungsmaßnahmen unterschieden wird. Der weitere Fokus des Kapitels liegt auf den betrieblichen und baulichen Unterhalt sowie auf Finanzierungsmaßnahmen. Hinsichtlich Orientierung wird auf bauliche und gestalterische Orientierungshilfen, Wegweisungen in Form von Informationstafeln und Hinweisschildern sowie auf Stadtpläne für den Fußverkehr hingewiesen.
Anhang:
Im Anhang finden sich (Planungs-)Werte, Richtlinien, (Fach-)Begriffe, Empfehlungen zur Fußwegenetzplanung mit GIS sowie weiterführende Literatur und Quellen, ein Kapitel, das auch für erfahrene Fachpersonen zum Nachschlagen und als Erinnerungshilfe geeignet ist.
Auch wenn das Handbuch „Fusswegnetzplanung“ seinen Fokus auf die Schweiz legt, sind viele Überlegungen, Konzepte, Richtwerte, Planungsanleitungen auch auf österreichische Gemeinden anwendbar, sind doch die Grundgedanken und Handlungsempfehlungen für den Planungsprozess relativ ortsunabhängig, lediglich bei rechtlichen Aspekten muss hier auf die jeweiligen juristischen Unterschiede geachtet werden. Deshalb empfiehlt sich dieses Handbuch genauso für österreichische PrakterInnen in der Fußverkehrsplanung als einfach verständliches Nachschlagewerk, das Grundprinzipien einer erfolgreichen Planung darlegt und hierbei unterstützend in entsprechenden Planungsprozessen mitwirken kann.
Ein Beitrag von
Christian Zeilinger, walk-space.at
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Havanna zu Fuß erkunden: Sehen Sie hier einige Eindrücke aus der "Villa San Cristóbal de La Habana", die Hauptstadt der Republik Kuba!
Erfurt zu Fuß erkunden: Sehen Sie hier einige Eindrücke aus der Hauptstadt Thüringens!

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länderübergreifende österreichische
Fachkonferenz 18. und 19.5.2015 | Bregenz, vorarlberg museum "gut zu Fuß - vital
begegnet"- nachhaltig aktiv - | ||||||||||||||||||
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Die länderübergreifende Fachkonferenz für FußgängerInnen bringt namhafte österreichische und internationale ExpertInnen (aus der Schweiz, Deutschland, Dänemark, Liechtenstein,...) am Bodensee zusammen, um über Projekterfahrungen zu den Schwerpunkten der Konferenz zu referieren und aktuelle Themen einzubringen und zu diskutieren. In 30
Speeddating-Projektvorstellungen, in 8
Plenarvorträgen und in 25 Impulsvorträgen - davon 11 internationale -
werden die 6 Konferenzthemen im Detail vorgestellt. Darunter sind
u.a. folgende Vorträge (Auswahl):
In 6 Workshops und Sessions gibt es unter anderem folgende Impulsstatements (Auswahl):
Begegnungszonenprojekte im Überblick
Speed-Dating-Projektvorstellungen
Desweiteren wird ein Ausblick auf die Walk21 Vienna-Konferenz von Christoph Schuster und Thomas Keller (Stadt Wien) gegeben. Eine Übersicht aller Speed-Dating-Projekte finden Sie hier. Walk-ShopsIm Rahmen der "Walk-Shops" – den Workshops in gehender Form – gibt es mehrere Rundgänge zur Auswahl:
weiterlesen: Walk-Shops Konferenzprogramm ÜbersichtMo., 18.05.2015 Di., 19.05.2015 Das komplette Programm finden Sie hier: Programm Anmeldung - "early bird" bis 17.4.Wir laden Sie herzlich ein, an der Konferenz teilzunehmen. Bei Anmeldung bis zum 17.4.2015 gilt die ermäßigte "early bird"-Tagungsgebühr: Anmeldung Weitere Infos zur Konferenz und das aktuelle Programm finden Sie auf
der Konferenzseite: Tagungsort
Registrierte KonferenzteilnehmerInnen haben die Möglichkeit zur Benützung des öffentlichen Verkehrs von So., 17.5. bis Di., 19.5.2015 innerhalb des gesamten Verbundgebietes in Vorarlberg. mit Dank an die KooperationspartnerInnen und UnterstützerInnen! Danke für eine Weiterleitung in Ihrem Netzwerk. Viel Freude beim
Zufußgehen wünscht Ihnen das
Walk-Space-Team! Mit freundlichen Grüßen, Dieter Schwab, Obmann, Martina Strasser, org. Projektleitung in Zusammenarbeit mit Fussverkehr Schweiz und Fuss e.V. Deutschland
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Walk-Space.at | Der österreichische
Verein für Fußgängerinnen | ZVR 078105059 | Bennogasse 10/22, 1080
Wien
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Besonders in der kälteren Jahreszeit erscheinen anlassbedingt Pressemeldungen, wie sich Fußgängerinnen und Fußgänger vor Unfällen im Straßenverkehr schützen sollten. Dabei wird darauf hingewiesen, dass es doch das Beste sei, helle, auffällige Kleidung zu tragen, im Optimalfall sogar mit reflektierendem Material und aus Sicherheitsgründen auf den eigenen Vorrang zu verzichten.
Diese etwas einseitige Betrachtungsweise des Themas, zumal auch nicht jeder in leuchtender Kleidung oder mit Warnweste herumlaufen möchte, gehört um weitere Aspekte erweitert: Das Grundproblem stellen oftmals die zu hohen Geschwindigkeiten, Alkoholeinfluss und ein Verhalten, das nicht der Situation angepasst ist, dar.
Anstatt verstärkt die schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen in die Pflicht zu nehmen, sollte vielmehr umfassend gedacht werden, denn Räume, die ein sicheres Zufußgehen mit Komfort ermöglichen sind in diesem Zusammenhang ebenso Thema.
Wichtig sind u.a.:
Insbesondere sollten sich innerstädtische Verkehrsräume zu Lebensräumen wandeln - eine allgemeine Entschleunigung des Verkehrs ist dafür Grundvoraussetzung.
Selbstverständlich stellt sich auch die Frage der entsprechenden Beleuchtung an dieser Stelle. Linksabbieger können beispielsweise durch entgegenkommende Fahrzeuge geblendet werden. Das Auge versucht dies auszugleichen und dadurch kann ein/e querende/r Fußgänger/in übersehen werden. Für den FußgängerInnenschutz ist es daher nach einer Berliner Studie wichtig, eine Kompensation der Blendung der KraftfahrerInnen durch entgegenkommende Fahrzeuge vor allem an Lichtsignalanlagen zu erreichen.
Reflektierende Materialien für FußgängerInnen, die auch in der Kleidung eingewoben sind, können freilich in einzelnen Situationen nützlich sein. Man sollte aber nicht nur diese Maßnahme in Betracht ziehen, sondern bessere Rahmenbedingungen schaffen (siehe oben).
Und zuletzt ein Hinweis für das Verhalten, der auf alle VerkehrsteilnehmerInnen zutrifft: Mehr Ruhe & Gelassenheit, denn sich selbst bewusst mehr Zeit zu nehmen schützt schließlich uns alle und zwar vor uns selbst und voreinander.
Weitere Hintergrundinfo: siehe Wissen Kompakt 8 (Beitrag „Verkehrssicherheitsstatistik – Schwerpunkt FußgängerInnen-Sicherheit“)
Italien ist bekannt für das rege öffentliche Leben auf seinen Plätzen: Überall im Land wird draußen geplaudert, getrunken und gegessen. Die öffentlichen Räume, meist kleine Plätze, die mehrere hundert Jahre alt sind, dienen so als erweitertes Wohnzimmer. Das macht einen Teil des sowohl von Einheimischen als auch von Urlaubern immer wieder geschätzten italienischen Lebensgefühls aus.
So ist es nicht verwunderlich, dass bei neuen Quartieren ebenso darauf geachtet wird, Räume für das Leben draußen zu errichten. Ein gelungenes Beispiel in Mailand zeigt, dass auch in Neubauquartieren, deren Plätze genauso lebendig und aktiv sein können: Das Quartier Porta Nuova liegt zentral, direkt am Bahnhof Garibaldi und nächst der Flaniermeile Corso como. Das im Aufbau befindliche Büro- und Wohnviertel ist bereits gut besucht, wie an der Piazza Gae Aulenti zu sehen ist. Dies trotz der nahen Lage zur bereits gut frequentierten Flaniermeile, zu welcher auch eine direkte Verbindung geschaffen wurde, und der Baustellen nebenan.
Die Piazza Gae Aulenti ist eingerahmt von der spektakulären Uni-Credit-Firmenzentrale, dem höchsten Gebäude Italiens. Doch nicht (nur) die spektakuläre Architektur ist es, die diesen Platz zum Leben erweckt: durch viel Fläche für Geschäfte, Restaurants und Cafés im Erdgeschoß und die hochwertige Ausgestaltung des öffentlichen Raumes mit einem querbaren Brunnen wird Aufenthaltsqualität geschaffen. Obwohl der Platz höher als die Straßenebene und noch dazu ein wenig »versteckt« liegt, dient er nicht nur als Abkürzung für FußgängerInnen, sondern auch als Aufenthaltsraum.


Solche öffentlichen Räume mit Aufenthaltsqualität lassen Platz für temporäre Aktivitäten: Ende November wurde ein Rasen für einen Schanigarten ausgelegt. Diese kleine Veränderung verstärkte die Aktivität auf dem Platz nochmals, auf welchem nun auch auf Rasen gemütlich ein Espresso oder ein Panini genossen werden konnte. Und rundherum wird geplaudert, getrunken und gegessen – aber auch gespielt und eingekauft.
Ein Beitrag von Isaak Granzer
Das Zufußgehen rückt dieses Jahr verstärkt in den Mittelpunkt.
Auf internationaler Ebene startet die UNO/WHO im Mai wieder eine weltweite Verkehrssicherheitskampagne mit dem Fokus auf der Sicherheit für Kinder. Wie Schulwege sicherer gemacht werden können, zeigt das Walk-space-Video „Gut zu Fuß in Bozen“ am Beispiel der „Schulstraßen in Bozen“.
Die Mobilitätsagentur Wien hat Anfang des Jahres eine Kampagne gestartet, um Lust auf das Zufußgehen zu machen, wie beispielsweise mit der ersten Wiener Fußwegekarte sowie einer App zum Schritte zählen und Wege finden. Begleitend wurde das Strategiepapier Fußverkehr der Stadt Wien beschlossen.
Danke für’s Zufußgehen sagt auch Walk-space.at. Vor allem in den Alltag integriertes flottes Gehen beugt nicht nur Krankheiten vor, sondern erhöht das Wohlbefinden und die Lebenserwartung. Eine Stunde Zufußgehen entspricht der zusätzlichen Schritteanzahl, die ein/e Büroangestellt/e, der/die im Durchschnitt etwa 3.000 Schritte am Tag zurücklegt benötigt, um die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 10.000 Schritten täglich zu erreichen.
Weiterlesen: Argumente & Fakten zum Gehen
Wie die Bewegung im Alltag mit Verkehrssicherheitsmaßnahmen lustvoll in Einklang gebracht werden kann, zeigt folgendes Youtube-Video:
“The Dancing Traffic Light”
Täglich 200 Treppen steigen stärkt nachweisbar Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel: „musikalisches Stufenkonzert“ (Youtube)
Regelmäßiges Zufußgehen beugt aber nicht nur Krankheiten vor, sondern trägt auch zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit bei, besonders im Alter. Durch die regelmäßige Bewegung kann eine Zunahme der Muskelmasse, eine Steigerung der Muskelkraft um 40 -150 %, verbessertes Gleichgewicht und damit verbunden ein geringes Sturzrisiko erreicht werden. Die ist für ein selbstbestimmte Mobilität im höheren Alter wichtig. Ergänzend zur Broschüre „Zu Fuß im höheren Alter“ veröffentlichte nun zu diesem Thema auch der VCÖ ein Factsheet. Walk-space.at unterstützt die VCÖ-Empfehlung: „Seniorengerechte Infrastruktur für das Gehen schaffen und erhalten: Ein ausgebautes, gut ausgeschildertes Fußwegenetz in einem zum Gehen angenehmen Umfeld, breite barrierefreie Gehwege und abgesenkte Bordsteinkanten, Durchgänge und Abkürzungen für Wege zu Fuß, Sitzplätze zum Ausruhen und Verweilen im öffentlichen Raum, ausreichend öffentlich benützbare Toiletten.“
Zudem wird im Herbst die Weltfußgängerkonferenz – Walk21 erstmals nach Wien kommen. Auf Bundesebene wird der „Masterplan Fußverkehr Österreich“ (Infos dazu auf der Doku-CD der Konferenz 2014 Innsbruck) erstellt. Länderübergreifend findet die IX. Fachkonferenz für FußgängerInnen am Bodensee statt.
Ein Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach, Bergische Universität Wuppertal
„WeltfußgängerInnenkonferenz“ Walk 21 in Sydney war eine Reise wert!
Sydney ist ein äußerst attraktives Reiseziel – erst recht, wenn dort die Walk21 stattfindet. Deswegen machten sich mehr als 400 Fußverkehrs-Experten auf den Weg zum einzigartigen Tagungsort des Luna Park am Fuße der Harbour Bridge, in dem die nunmehr 15. Walk21 „Walking und Liveable Communities“ - Konferenz am 21.-23. Oktober 2014 stattfand.
Die Delegierten kamen vorwiegend aus Australien und Neuseeland, den USA und Kanada, wobei auch einige Experten aus Asien, Afrika und Europa den weiten Weg auf sich genommen haben –es hat sich in jedem Falle gelohnt. Die Stadt Sydney freute sich als einer der Gastgeber gemeinsam mit der Regierung von NSW, einen Beitrag zur weltweiten Verbesserung des Fußverkehrs leisten zu können.Es ging vor allem darum, voneinander zu lernen und zu hören, was andere Städte tun, um die Lebensqualität, die Gesundheit, die Aufenthaltsqualität, die Attraktivität und die Begehbarkeit ihrer Städte zu verbessern.

Sydney lieferte dabei in vielen Präsentationen und Walk Shops eindrucksvolle Beispiele der Förderung des zu Fuß Gehens, auch wenn angesichts der teilweise breiten Straßen und der langen Wartezeiten an Fußgängerampeln noch viel zu tun bleibt.
Seit etwa zehn Jahren investiert Sydney ganz bewusst in die Attraktivität der Stadt und fördert gezielt den Fußverkehr, der in der Innenstadt ein spürbar großes Gewicht hat. Mehr als 90 Prozent der Wege im Stadtzentrum von Sydney werden zu Fuß zurückgelegt. Die Stadt gibt in einem aktuellen Förderungsprogramm derzeit rund 50 Mio. AUS-$ aus, um das Aussehen und die Sicherheit der Gehwege in Sydney zu verbessern und weitere 8 Mio. AUS-$ werden zur Verbesserung des Fußgängerleitsystems verwendet. Sydneys Strategie mit der Zielsetzung, allen Bürgern innerhalb von 10 Minuten alltägliche Waren und Dienstleistungen sowie innerhalb von 5 Minuten Grünanlagen und ein grünes Netzwerk zu Fuß erreichbar zu machen, ist eine bewundernswerte Normsetzung, die für andere Städte als Maßstab dienen kann.
Die diesjährige Walk 21-Konferenz konzentrierte sich mit mehr als 150 Vorträgen auf das Thema des Wandels hin zu einer fußgängerfreundlichen Umgebung. Dabei ging es in vielen Beiträgen darum, die amerikanische und australische Lebensweise, die stark durch das Auto geprägt ist, mit sensibilisierenden und aktivierenden Maßnahmen nach und nach zu verändern. Im Vordergrund standen die Erörterung der Chancen und Möglichkeiten sowie der Wirkungen von Maßnahmen zur Förderung des Fußverkehrs und der erforderlichen Umsetzungsstrategien.
Zahlreiche Beispiele aus vielen Ländern der Welt zeigten einen Wandel, bei dem Straßen und öffentlichen Plätze „neu erfunden“ und teilweise auch mit kurzfristigen und kostengünstigen Veränderungen neu gestaltet und in zunehmendem Maße angenommen werden. Angesichts der immer noch großen Zersiedlung in Ozeanien und Amerika widmete sich zudem ein großer Teil der Konferenz auch den Suburbias, den vorstädtischen Gebieten und den ländlichen Räumen, in denen gerade multimodale Lösungen eines Mobilitätsmanagements zur Steigerung von Fußgängeranteilen führen können.
Walk21 hat sich mittlerweile zu einem nicht mehr wegzudenkenden globalen Wissensnetzwerk und zu einer beliebten Veranstaltungsreihe entwickelt, die in diesem Jahr in Wien Halt macht.
Alle Präsentationen der Walk21 Sydney gibt es unter:
http://www.walk21sydney.net/presentations/
Seit dem „Handover“ der Stadt Sydney am Ende der Konferenz an die Vizebürgermeisterin von Wien - Maria Vassilakou – freut sich die „FußgängerInnenwelt“ auf die Walk 21 in Wien 2015.
Mit Dank an den Gastautor Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach, Bergische Universität Wuppertal

ein Beitrag von Christian Zeilinger
Gerade am Wochenende strömen viele Menschen in die Innenstadt von Leipzig. Das Zentrum der 500.000 Einwohner zählenden Sachsenmetropole lockt Leute aus Stadt und dem Umland an. Kaum denkbar, dass hier Autos durch die Straßen der Stadtmitte fahren, wie dies früher möglich war. Seit 1993 verfolgt Leipzig das Konzept „Autoarme Innenstadt“, das 2008 nochmals bestätigt wurde und bis heute weitergeführt wird. Zu einer gänzlich autofreien Innenstadt hat man sich politisch aber bisher nicht durchringen können.
Von Leipzigs Hauptbahnhof (dem größten Kopfbahnhof Europas) kommend erreicht man durch Überqueren des Willy-Brandt-Platz sofort die Innenstadt. Fast alle Bereiche der Stadt sind fußläufig gut, in kurzer Entfernung, zu erreichen. Zum Völkerschlachtdenkmal kann man aber für ein paar Stationen die Straßenbahn benutzen, denn dieses liegt nicht im Zentrum und einige Kilometer vom Bahnhof entfernt.
Zurück zur Innenstadt: Hier regieren in den großen Einkaufsstraßen die FußgängerInnen und gerade an Samstagen sind die Fußgängerzonen sehr gut gefüllt. Südlich der Innenstadt verläuft die Karl-Liebknecht-Straße, die sich derzeit im Umbau befindet. Wegen diverser infrastruktureller Erneuerungen soll „Karli“, so die Abkürzung für die Karl-Liebknecht-Straße, künftig in neuem Licht erstrahlen. Durch den Umbau möchte die Stadt ungeordnetes Parken und zum Teil Gehwegparken verhindern, Radwege schaffen und den Zustand der sanierungsbedürftigen Gehwege verbessern. Für den Fußverkehr soll der öffentliche Raum besser gestaltet werden, wobei auch die Breite der Gehwege eine Rolle spielt: Minimumbreit 2,5m und max. 7,7m an der breitesten Stelle. Beim Durchspazieren denkt man sich bei den zahlreichen Geschäften und der Straßenbahn würde sich „Karli“ doch wunderbar als (temporäre) Fußgängerzone eignen.
Gerade in Leipzig passiert stadt- und verkehrsplanerisch einiges, was man als FußgängerIn sofort sehen kann. Aber nicht nur deswegen ist Leipzig eine Reise wert.